Unzumutbar!

So kann man nicht arbeiten…

Im Neubauprojekt bei einem Automotive-Unternehmens wurde ich von Teilnehmenden eines Workshops angesprochen: „Herr Olbrich, unser Büro müssen Sie sich ansehen – unzumutbar, da kann man nicht arbeiten!“
Ich ließ mich auf eine spontane Begehung des Raums ein. Was ich vorfand, war ein Gruppenbüro mit etwa 15 Arbeitsplätzen. Es war völlig zugestellt: Große, alte Winkelkombinationen als Tische trennten mit verschiedenartigen Stellwänden, mobilen Pinnwänden und Pflanzen die „Hoheitsgebiete“ der Arbeitsplätze ab. Durchgänge dazwischen unterschritten gesetzliche Mindestmaße und Tageslicht war lediglich für Plätze unmittelbar am Fenster verfügbar. Ab der zweiten Reihe herrschte depressive, trübe Neonlicht-Düsternis vor – tatsächlich unzumutbar.
Erschwerend kam hinzu, dass im gewachsenen Gebäudebestand des Unternehmens sonst kleinteilige Bürostrukturen aus Einzelbüros, Zweier- und Dreierräumen vorherrschten. Als wäre das alles nicht schon genug, war dieser Raum Teil einer „Abkürzung“ zwischen Konferenzbereich und weiteren Büros, sodass regelmäßig erhebliche Personenzahlen durch den Raum hasteten. Das Gefühl der dort Arbeitenden, benachteiligt zu sein, war also nachvollziehbar.
Klare Struktur ohne Wände
Mein ausgedrücktes Mitgefühl wurde von den Mitarbeitenden entgegengenommen, mein spontanes Urteil, die wesentlichen Probleme seien leicht lösbar, sorgten jedoch für Unverständnis. Das war nicht die gewünschte Reaktion. Meine Idee:
  • Die nur für das Abstellen von Trinkflaschen und Kaffeetassen genutzten Winkel an den Arbeitstischen entfernen
  • Das generierte Flächenpotenzial für Abstandsflächen und Durchgänge nutzen
Dies löste Entrüstung und Widerstand aus. Eine weitere Analyse, beispielsweise der Arbeitsweisen, fand nicht statt. Ich versprach jedoch meinem Auftraggeber, einem der Geschäftsführer, eine Konzeptskizze für den Raum anzufertigen.
Diese zeigte wie erwartet, dass sich mit kleineren Tischen eine neue Raumkonstellation ergab. Alle Arbeitsplätze fanden nun Platz entweder unmittelbar an der Fassade oder in einer zweiten Belegungsreihe. Die Versorgung mit Tageslicht war gewährleistet, die Abstände zwischen den Tischen waren angemessen. An wenigen Stellen waren Zäsuren aus Pflanzen dargestellt, die die Anzahl der Arbeitsplätze in kleinere Bereiche trennte. Der Wirrwarr zwischen den Arbeitsplätzen wich einer klaren Struktur. An der Rückwand des Raums blieb ein freier Streifen für den Transit-Verkehr.
Nicht so viel reden – machen!
Mein Auftraggeber verfügte kurzerhand und ohne mein Wissen die Umsetzung der Konzeptskizze während der Urlaubszeit. Teil seines „Deals“ war die Bereitstellung neuer Arbeitstische als Vorab-Abruf eines Kontingents für den Neubau. Eine Transformationsunterstützung fand nur insofern statt, dass mein Auftraggeber die Problemlösung zu seinem persönlichen Projekt machte und dafür vor Ort mehrmals Rede und Antwort stand.
Allein das Handeln der Verantwortlichen, das über viele Monate stets abgelehnt worden war, sowie die Nachvollziehbarkeit der Struktur hatte nach der Umsetzung rasch einzelne Mitarbeitende zu Unterstützern der neuen Lösung gemacht. Nach und nach wich die Entrüstung und wuchs die Akzeptanz, sodass das verbliebene Jahr bis zum Umzug in den Neubau mit dieser Lösung ohne weitere Widerstände überbrückt wurde.
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co@triowerk.de
Büstenporträt eines Manns reiferen Alters, Gründer von Triowerk
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